Antrag für den Planungsausschuss am 03.12.19-Erhaltungs-, und Gestaltungssatzung Stadionsiedlung

08. Oktober 2019, Allgemein, Antrag, Fraktion

Sehr geehrter Herr Huck,

die FDP-Fraktion beantragt, in der nächsten Sitzung des Planungsausschusses am 1.10.2019 über folgenden Antrag zu beschließen:

1. Die Stadt Frechen erarbeitet für den Bereich der sogenannten Stadionsiedlung im Stadtteil Frechen eine Erhaltungssatzung gemäß § 172 Baugesetzbuch und beschließt hierzu ebenfalls eine Gestaltungssatzung. 
2. Zur Sicherung der Erhaltungsziele veranlasst die Gemeinde gegenüber der Baugenehmigungsbehörde, dass vor Inkrafttreten der Erhaltungssatzung Bauanträge für einen Zeitraum bis zu 12 Monaten zurückgestellt werden.

Begründung:

Die Stadionsiedlung, im Volksmund auch „Mau-Mau -Siedlung“ genannt, umfasst im B-Plan 92F die Bebauung an den Straßen Adolf-Kolping-Straße, Albert-Schweitzer-Straße, Elsa-Brandström-Straße, Immanuel-von-Ketteler – Weg und im B-Plan 47a F die Straßen Friedrich-von-Bodelschwingh-Weg, Fritjof-Nansen-Straße und Henri-Dunant-Weg. Diese Siedlung ist in den 1950er Jahren, gleich nachdem Frechen zur Stadt erklärt wurde, entstanden.  Sie stellt somit einen besonderen Entwicklungsschritt für die Frechener Stadt dar.
Die Wohnbebauung im genannten Bereich zeichnet sich bis heute durch ihre starke Wirkung als städtebauliches Ensemble und die durchgängig hochwertige Grünstruktur auf den privaten Grundstücken aus. Bis heute ist der Charakter des Gebiets weitgehend erhalten geblieben. In neuerer Zeit zeigt sich vielerorts, so auch hier, eine Tendenz, Bauten aus den Nachkriegsjahren abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen.  Es ist daher zu befürchten, dass der ursprüngliche Charakter dieses Gebietes verloren geht.

Um dieser Tendenz rechtzeitig entgegenzuwirken, halten wir es für erforderlich, eine Erhaltungssatzung nach § 172 BauGB sowie eine dazu gehörige Gestaltungssatzung zu beschließen. Die Steuerungsmöglichkeiten nach § 34 Baugesetzbuch (BauGB) für den im Zusammenhang bebauten Innenbereich halten wir für nicht ausreichend, um einer schrittweisen Überformung des Gebiets sicher entgegenzuwirken.

Ziel der beantragten städtebaulichen Erhaltungssatzung ist es, die erhaltenswerten städtebaulichen Strukturen innerhalb des Wohngebiets zu identifizieren und aufgrund ihrer herausragenden Eigenarten im Sinne des §172 Abs. 1 Nr. 1 BauGB die städtebauliche Gestalt dauerhaft zu erhalten.

Das Instrument der städtebaulichen Erhaltungssatzung stellt einen Ansatz dar, Bereiche mit hochwertigem und prägendem Stadtbild dauerhaft zu schützen und weiterzuentwickeln.  Die städtebauliche Erhaltungssatzung ist insbesondere ein wirkungsvolles Instrument, um die städtebaulich prägenden Merkmale in ihrem Geltungsbereich, hier vor allem die Stellung und Kubatur seiner Hauptgebäude und ihr Zusammenspiel mit der Freiraumstruktur, dauerhaft zu sichern.

Grundsätzlich besteht keine gesetzliche Verpflichtung zur Beteiligung der Öffentlichkeit oder der Behörden wie beispielsweise im Bebauungsplanverfahren.  Zur Verbesserung der fachlichen Basis und zur Erhöhung der Akzeptanz sowie zur Berücksichtigung der Erfahrung der Bewohner*innen des Plangebiets sollen die Öffentlichkeit sowie die betroffenen Behörden und Träger öffentlicher Belange vor dem endgültigen Beschluss der städtebaulichen Erhaltungssatzung angehört werden.

Erhaltungsziele
Im Geltungsbereich der städtebaulichen Erhaltungssatzung ist gem. § 172 Abs. 1 Nr. 1 BauGB die städtebauliche Eigenart des vorgenannten Gebiets aufgrund seiner städtebaulichen Gestalt zu erhalten:

Der Grundrissstempel der Bestandsbebauung ist, insbesondere zum öffentlichen Raum und zur seitlichen Nachbarbebauung hin, zu erhalten.
Die vordere Bauflucht ist konsequent von Bebauung – einschließlich eingehausten, baulichen Nebenanlagen – freizuhalten, der bestehende Abstand zur öffentlichen Straße ist beizubehalten und die gärtnerische Anlage als Vorgartenzone zu erhalten.
Die mittels Gebäuderücksprüngen, teilweise verstärkt durch die Aufweitung des Straßenraums, erzeugte Struktur, ist als ein städtebauliches Leitmotiv anzusehen und zu erhalten.
Die Kubatur der Gebäude, d.h. neben dem Grundriss auch die Gebäudehöhe, ist – ausgehend von der Wahrnehmbarkeit aus dem öffentlichen Raum – beizubehalten. Die Hausgärten im rückwärtigen Bereich sind von Bebauung freizuhalten und die gärtnerische Anlage zu erhalten.
Erhaltenswert sind die Fassaden der Gebäude als Lochfassaden mit ihrer Gliederung und einer dem Straßenzug entsprechenden Bemessung der Größe der Fassadenöffnung.  Die Sockelbereiche sind zu erhalten.
Zu erhalten sind die geneigten Dächer mit einer Neigung von 10 Grad bzw. 30 Grad. Bei Straßenzügen und in Teilbereichen mit einer ausschließlich verwendeten Dachform ist bei der Sanierung von Dächern und beim Neubau von Gebäuden die Dachform zu erhalten.
Zu erhalten ist die Einheitlichkeit der Dachgestaltung.
Die Einfriedungen der Grundstücke sind entsprechend des im Straßenzug dominierenden gestalterischen Duktus auszuführen.
Mit freundlichen Grüßen